mamma mia

by Sophi


Wie oft meine Großmutter mich zur Begrüßung in den Arm nimmt und kopfschüttelnd meint: „Das muss ich nicht mehr verstehen.“ Sie war nicht immer so entspannt. Zu meinen wildesten Teenagerzeiten waren meine zerrissenen, knallengen Jeans, die pinken hochgeschnürten Chucks und Schlauchtops, bei denen ich mir ja eine Nierenentzündung holen würde, der Grund wieso sie bis drei Tage nach meiner Ankunft mit Migräne im Bett lag. Aber ich blieb eisern und belächelte ihre verzweifelten Versuche mich mit fünfzehn noch in Blusen und spießige Baumwollhosen zu stecken. No way!

Wer bis heute einen wirklich bedeutenden Einfluss auf meinen Kleidungsstil hat ist la Mamma. Allzu oft beschwert sie sich über meinen aus allen nähten platzenden Kleiderschrank und die fein säuberlich im Zimmer verteilten Klamottenberge. Geordnetes Chaos sage ich da nur. Als studierte Designerin hat sie sie mir wohl in die Wiege gelegt, die Liebe zur Mode. Aber mal ehrlich, was will man auch erwarten, wenn die Tochter schon in den Kindergarten mit italienischen Kleidchen, wie die Prinzessin von Wales, geschickt wird.  Auch meine Mutter hatte mit meiner rebellischen Ader zu kämpfen. So musste sie mir erst einmal erklären, was den Unterschied zwischen einem Minirock und einem breiten Gürtel ausmacht. Wieso der Bauchnabel ausserhalb von Schwimmbädern und Badeurlauben einfach nichts zu suchen hat. Oder warum ich mit acht Jahren weder ihre Schuhgröße noch die Reife besaß, um in Ihren zehn Zentimeter hohen Stilettos durch die Gegend zu stolzieren. Und doch hat sie mich fast jede noch so verrückte, modische Phase ausleben lassen, was mir die Möglichkeit gab, meinen eigenen Stil zu finden. Nicht selten kommt es vor, dass ich noch heute vor ihr stehe und frage: Und kann ich so gehen?

   jeans H&M coat Liviana Conti pull H&M stola Patrizia Pepe scarf Faliero Sarti shoes Zara bag Prada  

 

 jeans H&M

coat Liviana Conti

pull H&M

stola Patrizia Pepe

scarf Faliero Sarti

shoes Zara

bag Prada

 

photos by Kai Knoerzer