saturday night fever

by Sophi


Wer bin ich? Wo will ich hin? Wann bin ich am Ziel? Mit wem will ich sein? Mit wem kann ich sein? Was kommt als nächstes? Fragen über Fragen. Während unsere Eltern in den wilden Siebzigern ihr Hippiephase auslebten, steckt unsere Generation in einer Selbstfindungsphase, das Ganze unter dem Motto ´schneller, höher, weiter´. Tendenz steigend. Früher habe ich Aussagen älterer Generationen, die Zeit renne nur so, nicht verstanden. Ein Schuljahr erschien mir wie eine halbe Ewigkeit, Ferien natürlich ausgenommen. Heute höre ich diesen Satz nicht nur von mir selbst oder meinen Freunden, sondern auch von kleinen Zwergen in der U-Bahn, auf dem Weg von der Schule nach Hause. Ticktack, ticktack. Der Begriff ´Time is money´ ist zwar schon mehrere hundert Jahre alt, scheint aber nie besser gepasst zu haben, als zum Zeitgeist des 21. Jahrhunderts. Umso wichtiger sind daher kurze Fluchtmomente, die uns den Alltag für ein paar Stunden vergessen lassen. Seinen Höhepunkt findet dieser Wunsch, Auszubrechen in Form eines immer größer werdenden Luftballons, nach einer Powerwoche am SAMSTAG Abend und explodiert letztendlich in tausend kleine glitzernde Konfettiteilchen.

Die Vorbereitungen für diesen Moment laufen schon Stunden vorher auf Hochtouren, zumindest beim weiblichen Geschlecht. Kritisch wird es, wenn die Frage nach dem passenden Outfit erst kurz vorher geklärt wird. Innerhalb weniger Minuten fliegen die Klamotten im hohen Bogen aus dem Kleiderschrank und landen auf Bett, Sessel und Boden, bis das Zimmer den Zustand eines Wühltisches bei Primark erreicht hat. Ist diese Krise erst einmal überstanden, wird sich um den Rest des Erscheinungsbildes gekümmert. Die Haare à la Marilyn Monroe auf Lockenwickler gedreht, werden Nägel mit höchster Präzision lackiert, Gurkenmasken auf Gesichter gepackt und anschließend fein säuberlich mit Pinseln schattiert bis sie makellos erstrahlen. Die Männer sind in der Regel etwas unkomplizierter, schnelle Dusche, frisches Shirt, kurz dran gerochen, mhmm ja ist frisch, Jeans, Haargel, Parfüm, okay ready to rumble. Alles vollkommen natürlich. Sollte der Mann allerdings doch mal länger brauchen als die Frau, würde ich ihr in der Regel empfehlen, schleunigst das Weite zu suchen. 

23 Uhr, Showtime. Fein rausgeputzt treffen sich die Helden der Nacht an den verschiedenen Hotspots, wo kurz darauf der erste Gin Tonic über die Theke wandert. Während die Jungs im Laufe des Abends ihre Stimme finden und sich von sprachlosen Kugelfischen zu massiven Flirtmaschinen entwickeln, verwandeln sich Mauerblümchen in auf der Bar tanzende Coyoten. From Disco to Disco, immer der guten Musik hinterher tanze ich mich durch meine Saturday Night ins Fieber, wobei ich festen Boden einer Bar immer vorziehe. Sicherheit geht vor. Wenn sich dann in den frühen Morgenstunden meine in 12 cm hohen Hacken steckenden Füße bemerkbar machen und ich mich glückselig, drunk in love auf die Rückbank meines Taxis sinken lasse, habe ich mein Ziel erreicht und ein paar wundervolle Stunden in einer sorglosen, bunt schillernden Welt verbracht. 

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