midnight express

by Sophi


Ein Zug ist das einzige Transportmittel, das einen auf direktem Wege aus der Provinz in das Herz einer Metropole tragen kann. Voller Vorfreude auf die bevorstehende Ankunft durchquert man die einzelnen Schichten der Stadt, bis man letztendlich am Kern angekommen, entspannt und zurechtgemacht den vollen Bahnsteig entlang schreitet. Dagegen kostet der Weg vom Flughafen ins Innere der Stadt meist mehr Zeit und Nerven als einige kurze Turbulenzen während des Fluges selbst. Ähnliches gilt für eine Anreise mit dem Automobil, hier hat man zwar sicheren Boden unter den Füßen und kommt dem Ziel sehr nahe, aber bis dahin stehen dem Reisenden große Aufgaben bevor, die einen guten Orientierungssinn, Geduld und einiges an Zivilcourage erfordern. 

Die Grand Central Station ist, wie der Name schon vermuten lässt, das Zentrum einer jeden Stadt und ein kleiner Vorgeschmack auf das, was einen dort erwartet. Nirgendwo sonst herrscht eine solche Hektik, dass die Luft dadurch zu vibrieren scheint. Millionen von Menschen mit den unterschiedlichsten Zielen passieren diesen Ort jeden Tag. Egal ob Großstadtmogul, Shoppingqueen, Traumtänzer oder Heimatloser, alle kommen sie hier zusammen. Und genau das macht diesen Ort so besonders. Er spiegelt sozusagen den gesellschaftlichen Kosmos seiner Stadt wieder. Gleichzeitig dienen solche Ballungszentren immer als eine Art Stimmungsbarometer. An einem guten Tag weichen wir elegant Müttern mit zu Rammböcken umfunktionierten Kinderwägen aus, entgehen geschickt den ausfahrenden Ellbogen unserer Mitreisenden und schweben quasi über den Dingen stehend durch das Chaos. Im krassen Gegensatz dazu kann uns an einem nicht ganz so entspannten Tag selbst der kleinste Sinnesreiz zum Explodieren bringen, der dezente Geruch unseres Nebensitzers, markerschütterndes Sirenengeschrei kleiner Teufelsbraten oder die allgemeine Unfähigkeit der Menschen auf der Rolltreppe rechts zu stehen und links zu gehen. Völlig entnervt und erschöpft verlassen wir dann das Schlachtfeld und fliehen in die Sicherheit unserer eigenen vier Wände. Die Energie, die in diesen großen, alten Hallen fließt kann uns, abhängig von unserem Gemütszustand, gleichermaßen auf- oder entladen.

Auch wenn die Anzeige auf meinem Stimmungsbarometer dem Gefrierpunkt manchmal ziemliche Nahe kommt, hatte ich noch nie das Bedürfnis der Hektik und Spannung einer Großstadt dauerhaft zu entfliehen. Dagegen ruft die Vorstellung eines Bahnhofs mit lediglich zwei Gleisen wesentlich beklemmendere Gefühle in mir hervor, als eine vollgestopfte U-bahn während der Rushhour.

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photos by Kilian Bishop