El Matador

by Sophi


Sonntag vormittag, mit Mühe aus dem warmen Bett zur Yogastunde geschleppt. Heute mit dreiminütiger Meditation zu Beginn der Stunde. Kein Problem. Was sind schon drei Minuten ruhig und still dasitzen. Gut zum Wachwerden beziehungsweise Weiterschlafen. Nachdem du deine dir passend erscheinende Position gefunden hast (natürlich willst du dabei aussehen wie Mahatma Gandhi persönlich), schließt du die Augen und versucht wie angeordnet an nichts zu denken außer deinen Atem. Fokussiert, konzentriert und dabei alles andere um dich herum für einen Moment vergessen.

Okay. Einatmen, ausatmen und einatmen und ausatmen, ha geht doch… ist ja ganz einfach. 3 min, ein Klacks, das schaffst du mit links…Mhm 3 min… wie viele Sekunden sind das eigentlich, 3 mal 60…120… 240 … Moment, was ist das für ein Kitzeln in der Nase und wieso juckt genau jetzt die Stelle über deinem rechten Auge. Nicht kratzen, nicht kratzen... Vielleicht wäre die von der Yogalehrerin vorgeschlagene Position doch besser gewesen weil deine Beine langsam taub werden. 

Hm, was könntest du dir denn nachher Gutes zum Essen machen, ein spätes Frühstück oder doch lieber Lunch? Da ist doch ein neues Café direkt um die Ecke, zwei Strassen weiter. Da gibts auch Kuchen. Oh ja, am besten was mit Streuseln und viel Sahne, ausnahmsweise weil Sonntag ist… okay stop, stop, stop! Wie war das mit dem alleine auf den Atem konzentrieren und an nichts anderes denken. Okay, also nochmal von vorne… einatmen, ausatmen… puh wie können drei Minuten nur so lang sein…

Inzwischen erscheinen den meisten von uns besagten drei Minuten wie eine halbe Ewigkeit und dabei muss man einfach ganz klar sagen, dass es sich hierbei keinesfalls um eine Ewigkeit handelt, nicht mal um eine Viertel. Umso wichtiger sich ab und zu darin zu üben, einfach mal nichts zu denken, einen Moment innezuhalten, stillzusitzen und sich auf das natürlichste der Welt zu konzentrieren: ruhig atmen. Keine Musik, keine Unterhaltungen und die Gedanken kommen und wieder ziehen lassen, wie die Wolken am Himmel oder Wellen in einer Bucht. Dabei spielen Ort und Zeit die kleinere Rolle, wobei sich manche Situationen vielleicht weniger dazu eignen und andere sogar lebensgefährlich werden können. (Merke: Nicht beim Autofahren Meditieren)

Und dann gibt es Momente die einen gerade dazu eingeladen, wenn man sie nur bewusst wahrnimmt und die sich bietende Gelegenheit nutzt. So durfte ich in den Genuss kommen, mich an einem der schönsten Flecken dieser Erde in Gelassenheit zu üben, an den kilometerlangen Stränden der Kalifornischen Küste. Diese schlichte Naturschönheit versucht einen nicht mit viel Schnickschnack zu bezaubern. Vielleicht macht sie gerade das so wunderschön, ungeschminkt und weitgehend sich selbst überlassen. Die Farben des Pazifiks reichen hier von Anthrazit, über Königsblau bis hin zu einem dunklen Türkis im südlichsten Abschnitt. In seinem ganz eigenen Rhythmus spült er die Wellen hier an die Küste, mal ganz seicht, mal nahezu peitschend, je nachdem in welcher Stimmung er gerade zu sein scheint. 

Hier braucht es keine Musik, keine Worte, keine wilden Gedanken, nur Sein. Den Geruch des Meeres einatmen, das gleichmäßige Rauschen der Wellen wahrnehmen und gleichzeitig alles um einen herum für drei Minuten vergessen. Oder sogar ein bisschen länger.