mind the gap

by Sophi


In unserer heutigen Gesellschaft ist für Lücken kein Platz mehr, weder im privaten Alltag, unserem Lebenslauf oder im Berufsleben. Den perfekten Werdegang macht für viele eine gradlinige, ununterbrochene, solide Schnellstrasse aus. Weniger das sich an einem roten Faden entlang Hangeln, als vielmehr der 100 m Sprint zum Ziel. Den Blick dabei starr nach vorne zu richten, ohne nach links oder rechts zu blicken, um zu sehen was um einen herum passiert, ist für das erfolgreiche Überqueren der Ziellinie geradezu unabdingbar. 

Das Risiko, nach Erreichen des Ziels vollkommen erschöpft und ausgelaugt am Rand des Feldes zusammenzusacken, wird ohne großes Nachzudenken billigend in Kauf genommen. Viel wichtiger ist es stattdessen schnell wieder auf die Füße zu kommen und zum nächsten Run anzusetzen.

Ähnlich verhält es sich auch bei der Freizeitgestaltung. Hier ist es wichtig jeden noch so kleinen Moment aktiv zu nutzen und auf keinen Fall sinnlos zu verplempern, sei es durch das einfache süße Nichtstun - „Dolce far niente“, welches unsere italienischen Freunde so perfekt beherrschen oder eine kurze Verschnaufpause für Körper und Geist, in Form eines Nachmittags auf der Couch. 

Als größte Antriebskräfte dieser Entwicklung sind hier wahrscheinlich die Entwicklung der sozialen Medien zu nennen, sowie die Vielzahl an technischen Möglichkeiten und die damit einhergehende Angst, jemand anderes könnte einen bei dem kleinsten Anzeichen von Schwäche einfach überholen, ersetzen oder als gescheitert abschreiben. 

Diese Angst vor beruflichem Versagen überträgt sich gerne auch auf unsere sozialen Verhaltensweisen und schleicht sich somit in unser Privatleben. Perfekt soll das eigene Selbst für den Außenstehenden wirken, schließlich kann man das Leben des jeweils Anderen dank der modernen Medien auf Schritt und Tritt verfolgen. Eine Allround-Persönlichkeit ist gewünscht: Immer schön, immer interessant, in Topform und stets gut gelaunt. Samstag Abend mal daheim bleiben und eine Schnulze auf der Couch schauen, das geht nicht! Was sollen da die Anderen denken. Langweilig, schwach, Zeitverschwendung. Wer braucht schon eine Pause. Schlafen kannst du, wenn du tot bist. Lieber noch fünf Espresso, zwei Red Bull und eine gehörige Portion Klares, dann geht das schon. Viel zu groß die Angst etwas zu verpassen oder beim nächsten Mal gar nicht erst eigeplant zu werden. Dass man sich am nächsten Tag umso schlechter fühlt, wird abermals in Kauf genommen. Diese vollkommene Erschöpfung wird sogar als entspannend empfunden, da sie scheinbar den einzigen triftigen Grund liefert, das Haus nicht zu verlassen und einfach mal absolut gar nichts zu tun. 

Die Frage ist ob es wirklich immer zu so einem mentalen oder körperlichen Burnout kommen muss, um mal auf die Bremse zu drücken, Mut zur Lücke zu zeigen und sich eine Auszeit zu gönnen. Lieber mal öfter in sich hinein hören, kurz inne halten und überlegen, was will ich, wo stehe ich und wo will ich eigentlich hin. Das Ganze mit dem mit dem Ergebnis weniger zu tun und viel mehr zu wollen.

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